Ars Viva 2016 im Kunstmuseum

271016 ArsVivaDer Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. vergibt seit 1953 jährlich den ars viva-Preis für Bildende Kunst an junge, in Deutschland lebende Künstler, deren Arbeiten sich durch richtungweisendes Potential auszeichnen. In diesem Jahr wurde er an Jan Paul Evers, Leon Kahane und Jumana Manna
verliehen.  Das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen zeigt erstmals Arbeiten aller drei Preisträger in einer Ausstellung.

Die Werke der jungen Künstler zeichnen sich durch unterschiedliche Arbeitsweisen und den Einsatz verschiedener Medien aus. Zu sehen sind skulpturale Arbeiten und Zeichnungen ebenso wie Video, Fotografie und Installationen. Die Ausstellung zeigt neue Arbeiten, darunter auch solche, die in direktem Zusammenhang mit Magdeburg und dem Kunstmuseum stehen. Nach 1994 ist die ars viva zum zweiten Mal zu Gast im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen.


Jan Paul Evers arbeitet mit den analogen Produktions- und Bearbeitungsprozessen der Fotografie. Aus bestehendem und selbst fotografiertem Material entstehen mithilfe verschiedener Entwicklungstechniken seine Schwarzweiß-Arbeiten. Seine Kompositionen rücken das Verhältnis von Bild und Abbild, Motiv und Wirklichkeit in den Fokus. Indem er die Funktion der Reproduktion hinterfragt, knüpft Evers an den fortwährenden Diskurs über das Wesen der Fotografie an.


Leon Kahane setzt sich in seinen Videoarbeiten, Fotografien und Installationen mit sozialkritischen Themen wie der Konstruktion territorialer Grenzen und den problematischen Bedingungen der Arbeitsmigration auseinander. In der Magdeburger Schau sind Arbeiten zu sehen, in denen er die künstlerische Auffassung und Praxis seiner Eltern als auch seiner Großmutter reflektiert.

Jumana Manna entwickelt in ihren Video- und skulpturalen Arbeiten Narrative, die sich wie Possible Histories lesen. Ihre künstlerische Feldforschung spürt den Identität stiftenden Erzählungen nach, die immer wieder auch einen Spannungsbogen vom privaten Raum bis hin zur nationalen Ebene aufzeigen. In Magdeburg zeigt Manna neben Skulpturen die Arbeit A Magical Substance Flows into Me (2015), die Bezug auf den Musikethnologen Robert Lachmann nimmt.  Dieser versuchte in den 1930er-Jahren in Jerusalem ein Archiv orientalischer Musik zu etablieren. Auf den Spuren Lachmanns wandernd, zeichnet Manna die vielschichtig verflochtene kulturelle jüdische und arabische Geschichte nach.